CD Review: The Razed – The Razed

CD Review: The Razed – The Razed

Das nenn ich mal eine internationale Zusammensetzung: Sänger und Gitarrist Paul Byrne stammt aus England, Drummer Joe Tyburn hat trotz seines Namens einen deutschen Pass und Basser Skiddy Jarnvik genießt die musikalische Förderung des schwedischen Staates. Genau dort hat sich das Trio mittlerweile nieder gelassen und lässt die Saiten qualmen.THE RAZED

Und was passiert, wenn man die drei Jungs zusammen in den Proberaum sperrt? Dann kommt dabei ein ganz gefälliger Hardrock raus. Und zwar keiner, der irgendeinen Anspruch auf innovatives Design, außergewöhnliche PS-Zahlen oder extrem modernes Interieur erhebt (verdammt, ich hab in letzter Zeit zu viel mit Autos zu tun). Das ist bei grundehrlichem RocknRoll aber auch alles andere als notwendig, so lange die Attitüde und die Songs stimmen.

Dann darf man seinen Sound auch Grungeadelic Spacepunk nennen. Sagt genauso viel aus, wie Schmusaluda Röbazebl, aber klingt irgendwie doch besser. Wer zwei Mal auf persönliche Einladung im legendären Whisky A-Go-Go Club auf dem Sunset Boulevard spielen darf, hat irgendwas richtig gemacht. Das sieht im Falle von The Razed dahingehend aus, dass sie keine musikalischen Kapriolen versuchen, sondern schnörkellos nach vorne weg rocken.

Und was bei Truppen wie The Clash, The Cult oder Led Zeppelin funktioniert hat, kann so falsch kaum sein. Das punkrockige von The Clash ist recht schnell aus den elf Kompositionen heraus zu hören (Enegry Transfer oder One Finger Salute sprechen da Bände), um den The Cult-Einfluss zu entdecken, muss man bis A Shot In The Dark oder – noch später – Bladerider vordringen, wo auch Sänger Paul stellenweise nach Ian Astbury ist.

Zwar hält sich das Label mit Informationen dahingehen etwas bedeckt, doch The Razed klingt tatsächlich nach einer Live-Aufnahme, denn auf zusätzliche Gitarren und Overdubs wurde verzichtet. Das macht den Sound der Scheibe stellenweise nicht gerade megafett, dafür aber sehr authentisch. Vor allem, da ich bei der Ballade Surf auch schwören könnte, den ein oder anderen Verspieler rauszuhören.

The Razed ist ein ganz gelungenes Debüt für die gleichnamige Truppe, auch wenn sich mit Asked To Leave The Cult ein viel zu langatmiger Schnarcher eingeschlichen hat und auch das finale I’ll Do It All Again die Chance nicht nutzt, das Album mit einem Knall zu beenden. Mit verdrogten 70ies-Klängen konnte ich einfach noch nie viel anfangen. Schade

Michael Edele, Michael.Edele@gmx.de

Foto: Brooke-Lynn Promotion